Kaum eine Weinregion der Welt steht so sehr für Herkunft und Terroir wie das Burgund. Zwischen den sanften Hügeln östlich von Frankreichs Hauptstadt Paris entstehen einige der berühmtesten und begehrtesten Weine überhaupt. Dabei ist es nicht die Größe der Region, sondern die außergewöhnliche Vielfalt einzelner Lagen, Böden und Mikroklimata, die den Charakter burgundischer Weine prägt.
Im Mittelpunkt stehen vor allem zwei Rebsorten
Während Chardonnay hier elegante, mineralische und langlebige Weißweine hervorbringt, zeigt Pinot Noir seine ganze Finesse in Form von filigranen, komplexen Rotweinen. Ergänzt wird das Rebsortenbild durch den frischen, charaktervollen Aligoté sowie den fruchtbetonten Gamay, der besonders im südlich angrenzenden Beaujolais eine wichtige Rolle spielt.
Terroir im Mittelpunkt
Der besondere Reiz des Burgunds liegt in seinem einzigartigen Verständnis von Terroir. Seit Jahrhunderten beobachten Winzer, wie kleine Unterschiede in Boden, Hanglage und Klima den Wein beeinflussen. Diese exakt abgegrenzten Weinparzellen werden im Burgund Climats genannt. Ein Wein aus einer bestimmten Lage erzählt somit immer eine Geschichte über seinen Ursprung. Zwei Weine aus derselben Rebsorte, vom gleichen Winzer und nur wenige Meter voneinander entfernt, können völlig unterschiedliche Charaktere entwickeln.
Diese außergewöhnliche Verbindung zwischen Mensch, Natur und Weinbau wurde 2015 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt.
Chardonnay: Mineralität, Eleganz und Tiefe
Keine andere Region zeigt die Vielseitigkeit des Chardonnay so eindrucksvoll wie das Burgund. Von kühlen, mineralischen Weinen aus Chablis bis hin zu kraftvollen, komplexen Gewächsen aus der Côte de Beaune reicht das Spektrum.
Typisch sind Aromen von Zitrusfrüchten, weißen Blüten, Apfel, Haselnuss und – je nach Ausbau – feine Noten von Brioche und Vanille.
Die besten Burgunder-Chardonnays verbinden Frische, Opulenz und eine beeindruckende Langlebigkeit.
Pinot Noir: die Seele des Burgunds
Pinot Noir findet im Burgund seine vielleicht berühmteste Heimat. Die dünnhäutige Rebsorte verlangt viel Fingerspitzengefühl und bringt Weine hervor, die weniger durch Kraft als durch Eleganz, Tiefe und Feinheit überzeugen.
Typische Aromen sind rote Beeren, Kirsche, Veilchen, Gewürze und erdige Noten. Mit zunehmender Reife entwickeln große Pinot Noirs komplexe Nuancen von Unterholz, Trüffel und Leder.
Die Côte de Nuits gilt weltweit als eine der bedeutendsten Regionen für Pinot Noir.
Aligoté: die unterschätzte Spezialität
Neben Chardonnay bekommt auch der Aligoté wieder zunehmend mehr Aufmerksamkeit. Die traditionelle burgundische Rebsorte bringt leichte, frische und lebendige Weißweine mit einer schönen Säure-Struktur hervor.
Typisch sind Aromen von Zitrusfrüchten, grünen Äpfeln und weißen Blüten. Besonders beliebt ist auch der Klassiker Kir als Aperitif, bei dem der Aligoté mit etwas Crème de Cassis verfeinert wird.
Gamay: fruchtige Eleganz aus Beaujolais
Im südlichen Teil des Burgunds, im Beaujolais, steht die Rebsorte Gamay im Mittelpunkt. Sie bringt frische, saftige und oft sehr charmante Rotweine hervor.
Während einfache Beaujolais-Weine für ihre Fruchtigkeit bekannt sind, zeigen die besten Crus des Beaujolais wie Morgon, Fleurie oder Moulin-à-Vent beeindruckende Tiefe und Lagerfähigkeit.
Chablis & Côte d’Auxerre
Die Heimat des mineralischen Chardonnay
Ganz im Norden des Burgunds liegt Chablis. Die Region ist bekannt für ihre besonders klaren, geradlinigen Chardonnay-Weine. Der berühmte Kimmeridge-Kalkboden mit fossilen Ablagerungen aus dem Meer prägt die Weine und verleiht ihnen ihre charakteristische Mineralität, Frische und Spannung.
Die besten Lagen rund um Chablis sind als Premier Cru und Grand Cru klassifiziert. Die sieben Grand-Cru-Lagen liegen an einem einzigen Hang oberhalb des Ortes Chablis und gehören zu den berühmtesten Weißweinlagen der Welt.
Auch die Côte d’Auxerre rund um Saint-Bris, Irancy und Vézelay gewinnt zunehmend an Aufmerksamkeit für ihre charaktervollen, authentischen Weine.
Eine Besonderheit der Region: Sie ist die einzige Appellation im Burgund, in der neben Chardonnay und Aligoté auch Sauvignon Blanc zugelassen ist und hier Weine von bemerkenswerter Frische und Ausdruckskraft hervorbringt.
Inhalt: 0,75 l (48,00 € / 1 l)
Côte de Nuits – das Reich des Pinot Noir
Nördlich von Beaune gelegen, gilt die Côte de Nuits als eine der prestigeträchtigsten Weinlandschaften der Welt. Auf nur wenigen Kilometern Länge entstehen einige der berühmtesten Pinot Noirs überhaupt. Orte wie:
- Gevrey-Chambertin
- Morey-Saint-Denis
- Chambolle-Musigny
- Vosne-Romanée
- Nuits-Saint-Georges
stehen für außergewöhnliche Eleganz und Komplexität.
Hier liegen die berühmtesten Grand Crus des Burgunds wie Romanée-Conti, Chambertin oder Musigny.
Inhalt: 1,5 l (200,00 € / 1 l)
Côte de Beaune – große Weißweine & elegante Pinot Noirs
Die Côte de Beaune ist besonders für ihre herausragenden Chardonnay-Weine bekannt. Hier befinden sich einige der weltweit angesehensten Weißweinlagen:
- Meursault
- Puligny-Montrachet
- Chassagne-Montrachet
- Corton-Charlemagne
Doch auch Pinot Noir spielt eine wichtige Rolle. Orte wie Volnay, Pommard oder Savigny-lès-Beaune zeigen die elegante Seite der Rebsorte.
Inhalt: 0,75 l (48,00 € / 1 l)
Mâconnais – Burgund mit südlicherem Charakter
Weiter südlich verändert sich das Landschaftsbild. Das Mâconnais bietet ein wärmeres Klima und dadurch oft etwas zugänglichere Weine. Besonders beliebt sind die Chardonnay-Weine aus:
- Pouilly-Fuissé
- Saint-Véran
- Viré-Clessé
- Mâcon-Villages
Sie verbinden burgundische Eleganz mit etwas mehr Frucht und Trinkfreude.
Inhalt: 0,75 l (25,33 € / 1 l)
Beaujolais – Gamay in seiner schönsten Form
Obwohl das Beaujolais geografisch zum Burgund gehört, besitzt es einen ganz eigenen Charakter. Die Region steht für Gamay-Weine mit Frische, Frucht und großer Vielfalt. Besonders die zehn Crus des Beaujolais zeigen, welches Potenzial in der Rebsorte steckt. Zu den bekanntesten zählen:
- Morgon
- Fleurie
- Moulin-à-Vent
- Saint-Amour
Inhalt: 0,75 l (30,67 € / 1 l)
Die Klassifikation des Burgunds: Von Bourgogne bis Grand Cru
Die Qualität burgundischer Weine wird über eine vierstufige Hierarchie definiert.
1. Bourgogne AOP
Die Basis bilden die regionalen Weine. Die Trauben können aus dem gesamten Burgund stammen. Sie machen rund die Hälfte der gesamten Produktion aus.
Eine besondere Unterkategorie ist seit 2017 die Bourgogne Côte d’Or AOP, deren Trauben ausschließlich aus 40 Gemeinden der Côte d’Or stammen dürfen.
2. Villages AOP
Die nächste Stufe bilden die Ortsweine. Hier wird die Gemeinde auf dem Etikett angegeben. Diese Weine machen etwa ein Drittel der Produktion aus.
Beispiele:
- Chablis
- Meursault
- Gevrey-Chambertin
- Pouilly-Fuissé
3. Premier Cru
Die Premier-Cru-Weine stammen aus besonders ausgezeichneten Einzellagen innerhalb einer Gemeinde.
Aktuell gibt es im Burgund rund 562 Premier-Cru-Lagen. Sie stehen für ungefähr 10 % der Gesamtproduktion.
4. Grand Cru
Die höchste Qualitätsstufe bilden die Grand Crus. Diese stammen ausschließlich aus den allerbesten und streng abgegrenzten Lagen des Burgunds.
Es gibt aktuell nur 40 Grand-Cru-Lagen, die gerade einmal rund 2 % der gesamten Produktion ausmachen.
Diese Weine gehören zu den rarsten und begehrtesten der Welt. Preise von mehreren Tausend Euro pro Flasche sind keine Seltenheit.